Michael A. Leitner
2026 Orchesterwerk

Die Hexen von Zoppat an einem gewöhnlichen Dienstag

oder: Baba Yaga in den Katakomben

Uraufführung: 17.05.2026 • Staatstheater Darmstadt, 7. Sinfoniekonzert

Titelbild für 7. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Darmstadt
© Staatstheater Darmstadt
Im 7. Sinfoniekonzert widmete sich das Staatsorchester Darmstadt unter der Leitung von Daniel Cohen den Potentialen eines künstlerischen Einsatzes von KI als neuem Instrument innerhalb des kompositorischen Prozesses.
Neben Werken von Erwin Schulhoff, Arnold Schönberg und Frank Martin standen Mussorgskys Bilder einer Ausstellung sowie insgesamt vier Uraufführungen auf dem Programm, die sich mit dem Meisterwerk auseinandersetzten – alle unter Verwendung des von Prof. Ali Nikrang (Hochschule für Musik und Theater München / Ars Electronica Linz) entwickelten KI-Systems Ricercar. In diesem Projekt forschten die Komponist:innen, die allesamt bereits mit Ricercar gearbeitet hatten, weiter an den Ideen und Ansätzen, die in vergangenen Projekten erkundet und entwickelt wurden, wie in den Werken Was macht der Mensch? oder How About You?.
Die Hexen von Zoppat an einem gewöhnlichen Dienstag sind das Ergebnis der künstlerischen Auseinandersetzung mit Mussorgskys Bildern Baba Yaga sowie den Katakomben, unter Verwendung von Ricercar als neue organologische Technologie.
Im Austausch über Mussorgskys Werke entwickelte sich ein musikalischer Dialog zwischen Mensch und Maschine. An dessen Ende stand ein Fundus an musikalischem Material: motivische Keimzellen, kleine Fragmente oder auch größere Bögen – teils menschlichen, teils maschinellen Ursprungs.
Dieser Fundus bildete den Ausgangspunkt des Kompositionsprozesses, in dem das Stück durch Kombination, Verkürzung, Variation und Erweiterung dieser Ideen – aber auch durch gänzlich neue Impulse, die sich innerhalb des Werkes folgerichtig ergaben – künstlerisch ausgearbeitet wurde.
Am Ende lässt sich nicht mehr sagen: Welche Ideen stammen vom Menschen, welche ursprünglich von der Maschine? Und gerade in dieser Symbiose kann das kreative Potential von KI (auch) liegen: einem Werkzeug, das Widerpart, Partner und Unterstützer, aber auch künstlerische Reibungsfläche sein kann. In diesem Hin und Her von Ergebnissen, die vom Menschen kommentiert und Ricercar erneut vorgelegt werden, entsteht ein kontinuierlicher Verfeinerungsprozess, der gänzlich in der Hand des Menschen liegt.
Am Ende ist etwas Neues entstanden, das mehr ist als sein kompositorisches Material: Aus Baba Yaga, die in den Katakomben ihr Unwesen trieb, steigen die Zoppat-Hexen empor – mythische Gestalten aus der Welt der Osttiroler Volkssagen, die mit ihrer Magie die Unwetter zusammenbrauen, die das Virgental heimsuchen. Nur die Kirchenglocken der Andreaskirche vermögen sie aufzuhalten, die sogenannten „Andreashunde". Wenn diese bellen, weichen die Hexen zurück und reißen die Wolken mit ihren Fingernägeln entzwei, sodass das Blut darunter hervorquillt.

Werkinformationen

Ausschnitt der Partitur-Titelseite

für großes Orchester
3(3.Picc)-3-2-1BKlar.-2-1KFag. | 4-3-2-1
Pk.(1 Sp.) | Perk.(3 Sp.)
2Hrf. | Cel. | Str.

Dauer: ~ 05:00 Minuten
Uraufführung: 17.05.2026
Ort: Staatstheater Darmstadt, 7. Sinfoniekonzert
weitere Aufführungen am 16.05. (öffentliche Generalprobe) und 18.05.2026 (7. Sinfoniekonzert)