Michael A. Leitner
2026 Konzertkonzept, Werk

Ein Rezitativ und zwei Canones

(Teil des Konzertkonzeptes „un_endlich” für das Osterfestival Tirol 2026)

Uraufführung: 18.03.2026 (Osterfestival 2026/40 Orte) • Klocker Museum, Hall i. T.

Titelbild: Festivalmotto mit Grafik des Osterfestivals 2026
© Osterfestival Tirol/Galerie St. Barbara
Für das Osterfestival 2026 und die beiden Tiroler Musikerinnen Clara Geley und Tabea Nicolussi erarbeitete Michael A. Leitner gemeinsam mit dem Komponisten Hannes Sprenger ein Konzert, das sich mit dem Festivalmotto „un_endlich” auseinandersetzt.
Zwei Ausgangspunkte bestimmten die Arbeit: einerseits die vielschichtigen Implikationen des Festivalmottos, andererseits die individuelle künstlerische Handschrift der beiden Musikerinnen. Aus diesen beiden Polen heraus schufen die Komponisten ein durchkomponiertes Kurzkonzert, das aus vier Canones, zwei Rezitativen sowie drei ausgewählten Stücken des 1956 verstorbenen Komponisten Reinhold Glière besteht.
Die Rezitative verweisen durch ihren „geschwätzigen", im freien Metrum gehaltenen Stil in die Zukunft – beziehen sich dabei aber zugleich auf experimentelle Ansätze des Barockkomponisten François Couperin, der bereits um 1700 in seinen Werken immer wieder die traditionelle rhythmische Organisation dekonstruiert hatte.
Der Kanon ist eine „unendliche” Form: Durch seine Struktur kann er kreisen, ohne jemals aufzuhören – er endet, weil man ihn enden lässt. Spätestens im Barock erhob man ihn zur Meisterschaft: Treppen- und Rätselkanons waren mehr als Musikstücke, das Entschlüsseln der Manuskripte forderte Musiker:innen wie Laien gleichermaßen heraus.
Zugleich ist der Kanon eine der zugänglichsten Formen – für viele Menschen einer der frühesten und nachhaltigsten Kontakte mit Mehrstimmigkeit, mit Musik überhaupt. Er ist Kinderlied und Rätselkunst zugleich, unmittelbar verständlicher Einstieg und höchste künstlerische Meisterschaft in einem.
Das musikalische Material der drei Glière-Stücke ist das Gravitationszentrum des Konzertes, um das die übrigen Nummern kreisen; nahezu alle Teile gehen ineinander über, verwischen ihre Grenzen und verweigern den klaren Schnitt. Dort, wo sich dennoch ein Ende abzeichnet, tritt ein weiterer Aspekt des Festivalmottos hervor: dass Zeitlichkeit nicht nur im Fließen liegt, sondern auch im Innehalten – dass Endlichkeit sich in dem Moment erst zeigt, da sie bereits zu existieren aufgehört hat.
Ablauf des Konzertes:
  1. Rezitativ (Leitner)
  2. Canon (Sprenger)
  3. Canon (Leitner)
  4. Glière
  5. Glière
  6. Glière
  7. Canon (Sprenger)
  8. Canon (Leitner)
  9. Rezitativ (Sprenger)
Die historische Form des Kanons wird von den Komponisten aus dem Heute gedacht: Losgelöst von Fragen des kompositorischen Stils suchen sie den Blick auf die Tradition aus der Gegenwart heraus – und damit nach einem eigenen Ton.

Die einzelnen Nummern sind auch individuell aufführbar. Aus der gemeinsamen Arbeit entstanden zwei eigenständige Werkteile:
  • Ein Rezitativ und zwei Canones (für das Osterfestival 2026) – Michael A. Leitner
  • Zwei Canones und ein Rezitativ (für das Osterfestival 2026) – Hannes Sprenger
Beide Werkteile ergeben in Kombination mit den kuratierten Glière-Stücken das Gesamtkonzept der Urfassung.

Werkinformationen

Notensatz: Beginn des Rezitatives von Michael A. Leitner

drei Duos für Violine und Violoncello
Dauer: ~ 09:00 Minuten
Uraufführung: 18.03.2026 im Rahmen des Osterfestivals Tirol (40 Orte 2026)

Konzertkonzept „un_endlich" für das Osterfestival 2026
Konzept: Michael A. Leitner, Hannes Sprenger
Musik: Michael A. Leitner, Hannes Sprenger, Reinhold Glière
Dauer: ~ 30:00 Minuten
Uraufführung: 18.03.2026
Ort: Klocker Museum, Hall in Tirol