2026
Orchesterwerk
How About You?
Dialog mit Ricercar
Uraufführung: 19.04.2026 • brechtbühne im Gaswerk, Staatstheater Augsburg
© Staatstheater Augsburg
Die Augsburger Philharmoniker luden unter der Leitung von Sebastiaan van Yperen im April 2026 zu einem besonderen Konzert ein. Sechs Komponisten wurden eingeladen, gemeinsam mit dem von Prof. Ali Nikrang (Hochschule für Musik und Theater München / Ars Electronica Linz) entwickelten KI-System Ricercar ein Orchesterwerk zu erarbeiten. Vorgegeben wurde nichts außer der Orchester(maximal-)besetzung – mit dem Steinway Spirio stand zudem ein selbstspielendes Klavier zur Verfügung. Jene Werke, die ohne eigene multimediale Ebene auskamen, wurden vom Staatstheater Augsburg mit behutsam angefertigten Visualisierungen begleitet, die als Teil der Uraufführungen gezeigt wurden. Im Anschluss an das moderierte Konzert fand eine lebhafte Gesprächsrunde statt, in der über künstlerische und gesellschaftliche Implikationen diskutiert, Publikumsfragen beantwortet und der Vermittlungsgedanke als wesentlicher Teil solcher künstlerischen Experimente in den Mittelpunkt gerückt wurden.
Ricercar verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz als die weit verbreiteten „amalgamierenden" KIs – das System ist nicht mehr als ein Referenzrahmen, den der Komponist mit seiner eigenen Denkweise und musikalischen Handschrift füllt. Es galt zu zeigen, wie grundverschieden die Werke von sechs Künstlern ausfallen können, die alle auf die eine oder andere Weise mit demselben KI-System arbeiten – und wie verschieden bereits die künstlerischen Herangehensweisen an das System selbst sind. Diese reichten von „klassischen" Ansätzen, die KI als Materialgenerator zu nutzen und dieses Material zum Ausgangspunkt der Komposition zu machen, bis hin zum Training eines Modells mit eigener Musik oder der systematischen Manipulation des zugrundeliegenden Modells selbst.
Wo die weit verbreiteten, einer im Kern kommerziellen Logik entstammenden Systeme ihrem Wesen nach gerade im künstlerischen Bereich dazu neigen, generische Ergebnisse hervorzubringen, zeigt die Auseinandersetzung der Komponisten mit Ricercar eher das Gegenteil: Noch stärker als sonst richten wir als Zuhörer:innen unseren Fokus auf die enorme Stilpluralität unserer Zeit – in einem Konzert, in dem mit jedem Stück eine völlig neue klangliche Welt betreten werden kann.
Wo die weit verbreiteten, einer im Kern kommerziellen Logik entstammenden Systeme ihrem Wesen nach gerade im künstlerischen Bereich dazu neigen, generische Ergebnisse hervorzubringen, zeigt die Auseinandersetzung der Komponisten mit Ricercar eher das Gegenteil: Noch stärker als sonst richten wir als Zuhörer:innen unseren Fokus auf die enorme Stilpluralität unserer Zeit – in einem Konzert, in dem mit jedem Stück eine völlig neue klangliche Welt betreten werden kann.
How About You? – Dialog mit Ricercar versucht, den Interaktionsprozess mit der KI selbst zum Teil des Stückes werden zu lassen.
Für Komponist und KI steht am Beginn dieselbe Aufgabe: Vorgegeben ist eine harmonische Idee, eine Folge einiger Akkordverbindungen – beide sollen daraus etwas machen. Das Orchester macht hörbar, wie sich Michael A. Leitner der harmonischen Folge nähert; Ricercar antwortet mit dem selbstspielenden Klavier – und in diesem ersten Gegenüber wird hörbar, wie grundverschieden die Ergebnisse zwischen Mensch und Maschine ausfallen.
Für Komponist und KI steht am Beginn dieselbe Aufgabe: Vorgegeben ist eine harmonische Idee, eine Folge einiger Akkordverbindungen – beide sollen daraus etwas machen. Das Orchester macht hörbar, wie sich Michael A. Leitner der harmonischen Folge nähert; Ricercar antwortet mit dem selbstspielenden Klavier – und in diesem ersten Gegenüber wird hörbar, wie grundverschieden die Ergebnisse zwischen Mensch und Maschine ausfallen.
Beide Stimmen entwickeln sich nun weiter: Das Orchester spinnt seinen Gedanken fort und nimmt fragmentarisch die Antworten des Klaviers vorweg; das Klavier wiederum führt die Musik in eine eigene Richtung und bringt neue Motive in den gemeinsamen Verlauf ein. Nach und nach zerbricht die klare Trennung – die Variationen und Einfälle werden vielschichtiger und beziehen sich immer stärker aufeinander. Zusehends reicht der Einfluss des Menschen auch in die Klavierstimme, wie auch Ricercar den Orchestersatz zu beeinflussen beginnt.
Am Ende steht eine Synthese, in der nicht mehr unterscheidbar ist, was dem Menschen und was der Maschine zuzuschreiben sei. Das Ende ist offen – nicht Abschluss, sondern Auftakt: eine Vorahnung auf eine neue musikalische Sprache, und Ausblick auf das Potential, das sich ergibt, wenn ein Künstler ein System wie Ricercar als neuen Referenzrahmen nutzt – als ein Instrument, wie auch das Klavier eines ist, innerhalb dessen Voraussetzungen sich das eigene kreative Schaffen entfalten kann.
Werkinformationen
für selbstspielendes Klavier und Orchester
2-2-2-2 | 2-1-1-1
Pk.(1 Sp.) | Perk.(1 Sp.)
Hrf. | Cel. | Selbstsp. Klav.
Str.
Dauer: ~ 05:00 Minuten
Uraufführung: 19.04.2026
Ort: brechtbühne im Gaswerk, Staatstheater Augsburg